Google's KI-Modus ist da. Und das hat Folgen.
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    Google's KI-Modus ist da. Und das hat Folgen.

    Wie der KI-Modus die Google-Suche verändert – und was das für dein Unternehmen bedeutet

    12. Oktober 2025
    8 Min Lesezeit

    Wie funktioniert der KI-Modus?

    Bisher war Google eine Suchmaschine im klassischen Sinn: Du gibst ein paar Suchbegriffe ein, Google zeigt dir zehn blaue Links, und du klickst dich durch verschiedene Webseiten, bis du die Information gefunden hast.

    Mit dem KI-Modus ändert sich das. Du kannst jetzt ganze Sätze oder komplexe Fragen eingeben. Google versucht zu verstehen, was du wirklich wissen willst, und schreibt dir eine fertige Antwort. Die Quellen, aus denen diese Antwort zusammengestellt wurde, werden als kleine Kacheln daneben angezeigt. Aber die Antwort selbst steht schon da.

    Technisch läuft das Ganze auf Googles Gemini-Modell. Seit dem 8. Oktober ist es in der Schweiz auf Deutsch, Französisch und Italienisch verfügbar.

    Bei mir musste die erste Anfrage immer auf Englisch sein. Danach ging es dann auch auf Deutsch weiter. Da gibt es wohl noch den einen oder anderen Bug zu lösen. 😅

    Aktiviert wird der Modus über eine der drei Varianten:

    • google.com/ai öffnen
    • www.google.com aufrufen, Frage in die Suchleiste eingeben und KI-Modus klicken
    • In der Google App auf dem Startbildschirm auf KI-Modus klicken

    Google KI-Modus aktivieren

    Ein praktisches Beispiel

    Stell dir vor, du suchst nach: «Zeige mir eine Übersicht von Schweizer SaaS-Software für die Buchhaltung eines kleinen Unternehmens.»

    Früher hättest du jetzt verschiedene Webseiten durchklicken müssen: Vergleichsportale, Software-Verzeichnisse, Testberichte, einzelne Anbieter-Websites. Du hättest dir selbst eine Übersicht zusammenstellen müssen.

    Beispiel KI-Modus Suche

    Im KI-Modus bekommst du direkt eine Zusammenfassung mit verschiedenen Optionen, Preisangaben, Features und Empfehlungen. Du kannst dann weiter nachfragen: «Und wenn ich noch KI-Funktionen drin haben möchte?» oder «Kannst du mir mehr über Infinity sagen?» Die KI versteht den Kontext und gibt dir eine verfeinerte Antwort.

    Folgefrage im KI-Modus

    Verfeinerte Antwort

    Was sich damit verändert

    AI Overviews haben schon viel verändert

    Vielleicht ist dir das schon aufgefallen: Seit einiger Zeit zeigt Google bei vielen Suchanfragen bereits eine KI-generierte Zusammenfassung ganz oben an – noch vor den normalen Suchergebnissen. Diese «AI Overviews» kennen und schätzen viele bereits.

    AI Overviews Beispiel

    Das Problem: Diese Zusammenfassungen nehmen viel Aufmerksamkeit von den normalen Links weg. Selbst wenn deine Webseite auf Position 1 rankt, sehen die Nutzer zuerst die AI Overview. Viele lesen die Zusammenfassung und scrollen gar nicht mehr weiter runter zu den organischen Ergebnissen.

    Der KI-Modus geht jetzt noch einen Schritt weiter. Statt nur eine Zusammenfassung über den Suchergebnissen anzuzeigen, wird die gesamte Suchoberfläche zu einem Gespräch mit der KI.

    Zero-Click wird zum Standard

    Das Konzept nennt sich «Zero-Click Search»: Der Nutzer bekommt die Antwort direkt auf der Suchergebnisseite, ohne auf eine Website zu klicken. Das gab es schon vorher mit Featured Snippets, aber mit dem KI-Modus wird es zum Standard.

    Die Zahlen dazu sind eindeutig: Laut einer Studie von Bain nutzen 80% der Konsumenten Zero-Click-Ergebnisse in mindestens 40% ihrer Suchen. Der organische Web-Traffic sinkt dadurch um geschätzte 15% bis 25%.

    Mit dem KI-Modus wird dieser Trend stärker. Denn die KI-Antworten sind umfassender und hilfreicher als die bisherigen Snippets.

    Die Zahlen aus den Studien

    Wenn dein Unternehmen auf organischem Google-Traffic aufbaut, solltest du dir die Zahlen anschauen. Und das betrifft nicht nur Medien, sondern alle Branchen:

    Nutzerverhalten (Pew Research Center, Juli 2025):

    • Ohne KI-Übersicht klicken 15% der Nutzer auf ein Suchergebnis
    • Mit KI-Übersicht sinkt diese Zahl auf 8%
    • Nur 1% klicken auf die Links innerhalb der KI-Antwort

    Medien & News (NPR, The Guardian, Juli/August 2025):

    • The Sun: -59%
    • Forbes & HuffPost: -40%
    • CNN: -30%
    • Wall Street Journal: -17%
    • MailOnline: -56% Desktop, -48% Mobile
    • Medianer Rückgang: -10% bis -14% (Digital Content Next, August 2025)
    • Einzelfälle: bis zu -79%

    E-Commerce (Ecommerce Bridge, Chief Marketer, Juni/Juli 2025):

    • Durchschnittlicher Traffic-Verlust: -20% bis -40%
    • AI Overviews erscheinen bei 17% aller Queries
    • E-Commerce-Queries überproportional betroffen

    SaaS & B2B (Amsive, 2025):

    • Durchschnittlicher Traffic-Rückgang: -15%

    Das sind keine kleinen Blogs oder Nischen-Websites. Das sind etablierte Unternehmen mit professionellen SEO-Teams und Millionenbudgets.

    Was das für die Schweiz bedeutet

    Der Schweizer Medienverband hat sich bereits zu Wort gemeldet. Laut einer Studie von Prof. Ernst Fehr schuldet Google den Schweizer Medien jährlich mindestens 154 Millionen Franken. Die NZZ schreibt: «Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer lesen heute Ausschnitte aus journalistischen Beiträgen bei Google und anderen Plattformen, ohne die Primärquelle zu besuchen. Damit verlieren die Medienhäuser auch die Werbeeinnahmen.»

    Die Republik titelt: «Die künstliche Intelligenz bringt das Geschäftsmodell der Schweizer Medienkonzerne ins Wanken.»

    Das betrifft nicht nur Medien. Es betrifft alle Unternehmen, die auf informationsgetriebenen Content setzen: Beratungen, Agenturen, Dienstleister, E-Commerce-Shops mit Ratgeber-Content.

    Was das strategisch für dich bedeutet

    Aus diesen Entwicklungen ergeben sich vier zentrale Fragen:

    1. Wie abhängig ist mein Geschäftsmodell von organischem Google-Traffic?

    Wenn die Antwort «sehr» oder «ziemlich» lautet, ist jetzt der Moment, um über Diversifizierung nachzudenken. Das bedeutet nicht, dass du SEO aufgeben sollst. Bitte auf keinen Fall. Aber es bedeutet, dass du andere Kanäle stärken solltest, auf denen du eine direkte Beziehung zu deinen Kunden aufbauen kannst:

    • Newsletter (wie dieser hier 😉)
    • Community-Aufbau
    • Social Media mit echtem Mehrwert
    • Partnerschaften und Kooperationen
    • Direkter Kundenkontakt

    Es geht darum, nicht mehr nur auf einen Kanal angewiesen zu sein, den du nicht kontrollieren kannst und der sich gerade verändert.

    Gleichzeitig solltest du suchmaschinenmässig am Ball bleiben und Best Practices zur Optimierung für die KI-Suche evaluieren. Vieles davon ist klassisches SEO. Aber einige Aspekte werden im Zusammenhang mit der KI-Suche wichtiger: Strukturierte Daten für bessere Maschinenlesbarkeit, E-E-A-T-Signale (Erfahrung, Expertise, Autorität, Vertrauenswürdigkeit) und konsistente Markenidentität. Mehr zu diesem Thema in einer zukünftigen Ausgabe.

    2. Wie schnell muss ich reagieren?

    Die Veränderung passiert jetzt. Der KI-Modus ist da. Es geht nicht um Prognosen, sondern um Realität. Wer jetzt anfängt, alternative Kanäle aufzubauen und sich auf die neue Suche vorzubereiten, hat einen Vorsprung. Wer abwartet, riskiert, in 12-18 Monaten vor einem ernsthaften Problem zu stehen.

    3. Was bedeutet das für mein Werbebudget?

    Google wird Werbung im KI-Modus einführen. Das wurde bereits bestätigt. In den USA werden bereits Anzeigen im KI-Modus getestet, Google nennt sie «AI Max Campaigns». Die Anzeigen werden direkt in die KI-generierten Antworten integriert.

    Für Unternehmen bedeutet das: Du wirst wahrscheinlich mehr für bezahlte Sichtbarkeit ausgeben müssen, weil organische Klicks abnehmen. Gleichzeitig könnten die Anzeigen im KI-Modus relevanter werden, weil sie auf dem Kontext des Gesprächs basieren. Was das für die Kosten pro Klick (CPC) und die Konversionsraten bedeutet, muss sich noch zeigen.

    4. Wie positioniere ich mich für KI-Empfehlungen?

    Das ist die entscheidende Frage. Wenn die KI-Antwort zur ersten Anlaufstelle wird, willst du in dieser Antwort vorkommen. Hier zählt nicht nur technisches SEO, sondern echte Autorität in deinem Bereich. Die KI zitiert Quellen, die sie als vertrauenswürdig und relevant einschätzt. Dafür brauchst du echte Expertise, konsistente Inhalte und eine starke Marke in deinem Fachgebiet.

    Ausblick: KI-Agenten als nächste Stufe

    Was nach dem KI-Modus kommt, ist noch spannender: KI-Agenten, die nicht nur Informationen suchen, sondern eigenständig handeln. Stell dir vor, du sagst deinem KI-Assistenten: «Kauf mir das beste Angebot für einen neuen Bürostuhl unter 500 Franken.» Der Agent sucht, vergleicht, bestellt und lässt sich liefern. Ohne dass du eine einzige Webseite besuchen musst.

    Google arbeitet bereits daran. Und die Schweizer Onlinehändler bereiten sich vor. Laut Tagesanzeiger strukturiert Digitec Galaxus seine Produktdaten neu, damit KI-Tools die Produkte finden. Brack arbeitet mit einer Agentur zusammen, um bei KI-Tools wie ChatGPT präsent zu sein. Es geht nicht nur um Sichtbarkeit, sondern um maschinenlesbare Schnittstellen für den programmatischen Handel.

    Die Suche verändert sich. Und mit ihr das Web.

    Key Takeaways

    Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

    • ✅ Google KI-Modus ist seit 8. Oktober in der Schweiz aktiv und verändert die Art, wie Menschen Informationen finden
    • ✅ AI Overviews haben schon viel verändert: Viele kennen die KI-Zusammenfassungen über den Suchergebnissen bereits – sie nehmen Aufmerksamkeit von Position 1 weg
    • ✅ Zero-Click wird zum Standard: 80% nutzen es in 40% ihrer Suchen, 15-25% weniger organischer Traffic
    • ✅ Traffic-Verluste sind real: Studien zeigen Einbrüche von -30% bis -79% je nach Branche
    • ✅ Schweizer Medien sind betroffen: Google schuldet Schweizer Medien laut Studie 154 Mio. CHF jährlich
    • ✅ Vier strategische Fragen: Wie abhängig bin ich von Google-Traffic? Wie schnell reagiere ich? Was bedeutet das für meine Werbung? Wie positioniere ich mich für KI-Empfehlungen?
    • ✅ Werbung im KI-Modus kommt: Aber das ändert nichts am Traffic-Problem, möglicherweise sogar mehr Budget nötig
    • ✅ Ausblick KI-Agenten: Sie kaufen selbstständig für dich ein, neue Protokolle wie ACP entstehen, Galaxus und Brack bereiten sich vor

    Mein Fazit

    Was mich persönlich an dieser Entwicklung beschäftigt: Es geht schnell. Sehr schnell. Und man kann sich nicht wirklich dagegen entscheiden. Google ist keine Plattform, für die man sich entscheiden kann oder nicht. Also theoretisch schon. 😅 Aber praktisch eigentlich nicht.

    Als normaler Nutzer tat ich mich selbst am Anfang etwas schwer, von der klassischen Google-Suche wegzukommen. Und ich nutze sie z. B. zum Shoppen noch immer. Für alles andere verwende ich inzwischen aber ChatGPT, Gemini und Perplexity. Und in Zukunft jetzt vielleicht auch wieder öfter das «neue» Google.

    Ich komme mit der KI-Suche einfach massiv schneller ans Ziel.

    Und das wird der Otto-Normal-User auch bald erkennen. Da bin ich mir sicher.

    Und wenn das der neue Standard wird, dann verändert sich in der Suche (und dem Web) künftig so einiges.

    Ich denke, dass der KI-Modus oder ein Nachfolger davon mittelfristig die klassische Suche bei Google komplett ablösen wird. Nicht durch einen harten Cut, sondern schrittweise.

    Google's CEO Sundar Pichai hat im Sommer im Podcast bei Lex Fridman gesagt: Features, die im KI-Modus funktionieren, werden in die Haupt-Suche übernommen. Irgendwann wird es keinen Unterschied mehr geben.

    Die gute Nachricht: Wer jetzt anfängt, alternative Kanäle aufzubauen und sich auf das KI-Such-Zeitalter vorbereitet, hat noch einen Vorsprung. 💪🏽

    Andreas Käser
    Andreas Käser

    Andreas Käser

    Gründer & Inhaber von Büro für KI. Ich helfe KMU, KI strategisch und praxisnah einzusetzen. Mit Beratung, Workshops und massgeschneiderten Lösungen.

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