Warum die Zukunft «agentisch» wird
Und warum ich meine Meinung geändert habe
Hoi und herzlich willkomma zu den Büro für KI-Insights 🤓
Ich muss heute etwas zugeben (nebst der Tatsache, dass ich diese Woche etwas im Seich war und der Newsletter deshalb etwas spät kommt 😅; sorry dafür): Ich habe meine Meinung geändert.
Noch vor ein paar Monaten habe ich in Workshops und Beratungen immer gesagt: «Startet mit Assistenten, nicht mit Agenten.» Und das war auch richtig. Und ist es auch nach wie vor.
Aber in den letzten Monaten und Wochen ist mir etwas immer klarer geworden. Etwas, das sich eigentlich schon länger abgezeichnet hatte.
Die Unterscheidung zwischen Assistenten und Agenten? Die löst sich gerade auf. Alles wird agentisch. 😅
In diesem Newsletter zeige ich dir:
- Was in den letzten Monaten passiert ist
- Was «agentisch» eigentlich bedeutet
- Zwei Typen von Agenten, die du kennen solltest
- Was das für dich bedeutet
Let's dive in 🤓🤿
Was ist passiert?
Wenn ich ganz ehrlich bin: Es gab nicht den einen Moment. Es war ein schleichender Prozess.
Angefangen hat der Shift für mich mit den Reasoning-Modellen. Plötzlich wurde nicht mehr einfach nur geantwortet, sondern innerhalb der «Denkschritte» bereits autonom geplant, gesucht, iteriert. Das Modell führte selbstständig Websuchen durch, abhängig von meiner Eingabe. Aus meiner Sicht waren das schon erste Anzeichen von agentischem Verhalten. Und das in einem stinknormalen ChatGPT-Chat.
Auch Custom GPTs (Assistenten in ChatGPT) wurden dank Reasoning-Modellen mehr und mehr zu kleinen Agenten. Dort sogar mit der Möglichkeit, externe Tools über API zu steuern.
Und heute? Heute arbeite ich regelmässig mit Tools wie Manus oder dem Agentenmodus in ChatGPT. Ich gebe einen grossen Auftrag, das System bricht ihn in kleine Schritte runter, nutzt verschiedene Tools, recherchiert, erstellt Dokumente. Und all das ziemlich autonom. Und in immer besserer Qualität.
Wenn ich danach zurück in den normalen Chat-Modus von ChatGPT oder einem anderen Chatbot wechsle, beginne ich mich schon zu nerven, weil ich viel mehr händisch machen muss. 😅
Das zeigt mir: Meine Erwartungen haben sich schon deutlich verschoben.
Und ich bin mir sicher: Alle Tools werden in diese Richtung gehen. Claude, Gemini, ChatGPT und Co. Die Zukunft wird agentisch sein. 2026 wird agentisch sein. Irgendwann werden wir gar nicht mehr darüber sprechen. Es wird einfach normal sein.
Was «agentisch» eigentlich bedeutet
Früher war die Unterscheidung einfach:
Assistent: Wartet auf meine Anweisung. Macht genau das, was ich sage. Ich bleibe vollständig im Loop.
Agent: Bekommt ein Ziel. Plant selbstständig. Nutzt Tools. Arbeitet grösstenteils autonom.
Aber: Diese Grenze löst sich gerade auf.
Wenn du heute mit Claude, ChatGPT oder Gemini arbeitest, und ein Reasoning-Modell nutzst, passiert im Hintergrund bereits agentisches Verhalten. Das Modell plant kleine Schritte, entscheidet, welche Tools es braucht, ob noch eine Websuche helfen könnte, iteriert usw.
Auch Langdock, die Unternehmens-KI-Plattform die wir im Büro für KI nutzen, hat kürzlich ihre «Assistenten» in «Agenten» umbenannt (was übrigens der Trigger für diesen Newsletter war). In ihrem Changelog schreiben sie:
«Was als relativ simple Chatbots begann, kann heute mit grossen Datenbeständen umgehen, tabellarische Daten verarbeiten, sich mit euren Tools verbinden und vieles mehr. KI nutzt agentisches Verhalten, um für jede Aufgabe den richtigen Ansatz und die passenden Tools auszuwählen.»
Mein neues Framing: Es geht nicht mehr um «Assistent oder Agent». Es geht um den Grad der Autonomie.
Wir beginnen mit Agenten, bei denen wir immer im Loop sind und korrigieren können. Und arbeiten uns zu autonomeren Agenten vor, die selbstständig Aufgaben ausführen.
Meine zwei Typen von Agenten
Um in dieser neuen Welt Orientierung zu haben, unterscheide ich heute zwei praktische Typen. Ich nutze dafür eine Analogie aus der Luftfahrt: Copilot und Autopilot.
Warum diese Begriffe? Weil sie intuitiv sofort verständlich sind.
Und weil sie ein wichtiges Missverständnis ausräumen: Auch ein Autopilot im Flugzeug bedeutet nicht, dass der Pilot nichts mehr tut. Er überwacht, greift bei Bedarf ein, übernimmt bei kritischen Phasen. Es gibt immer Kontrollpunkte.
Genauso ist es bei KI-Agenten.
Copilot-Agent
Ein Copilot-Agent ist ein KI-Agent, den ich laufend anweise und der mit geringer Autonomie meine Befehle ausführt.
Wie es funktioniert
Die Interaktion läuft als ständiges Hin und Her. Ich gebe eine Anweisung, der Agent führt aus, ich reagiere, gebe die nächste Anweisung. Ich steuere Schritt für Schritt und behalte die volle Kontrolle. Das waren bisher klassische KI-Assistenten wie z. B. Custom GPTs (ChatGPT), Gems (Google Gemini), Agenten (Langdock).
Wann es passt
Einfache, klar definierte Aufgaben, bei denen ich genau weiss, was ich will.
Beispiele
- Custom GPTs (ChatGPT), Gems (Gemini) und andere KI-Assistenten
- Langdock-Agenten (ehemals Assistenten)
Stärken
Ich kann jederzeit korrigieren. Das Risiko für grössere Fehler ist gering. Der Einstieg ist einfach. Und ganz ehrlich: In ganz vielen Unternehmensprozessen ist das noch immer genau das, was ich brauche.
Schwächen
Zeitintensiv. Ich muss bei jedem Schritt dabei sein. Für komplexe, mehrstufige Aufgaben wird das schnell mühsam. Obwohl ich im Vergleich zum Abarbeiten ohne KI noch immer um Faktor X schneller bin. 😉
Autopilot-Agent
Ein Autopilot funktioniert anders. Hier gebe ich einen Auftrag oder ein Ziel, und der Agent arbeitet selbstständig.
Wie es funktioniert
Der Agent plant, trifft Entscheidungen, nutzt viele verschiedene Tools und arbeitet Schritte ab. An definierten Checkpoints bekomme ich eine Zusammenfassung oder ein Zwischenergebnis. Ich gebe Feedback, der Agent arbeitet weiter.
Wann es passt
Komplexe, mehrstufige Aufgaben, bei denen ich das Ziel kenne, aber nicht jeden einzelnen Schritt vorgeben will oder kann.
Beispiele
- Manus für Recherche und Dokumentation
- Cursor und Lovable für Coding
- Deep Research in ChatGPT, Gemini, Claude und Co. für Webrecherchen
- n8n/Make-Workflows mit KI-Komponenten
Stärken
Enorme Zeitersparnis. Ermöglicht mir, Aufgaben enorm viel effizienter abzuarbeiten, da permanentes Hin- und Herkopieren von einem Tool ins andere wegfällt.
Schwächen
Fehler können sich durch mehrere Schritte ziehen und sich hinten raus multiplizieren. Braucht gutes Briefing, Vertrauen und gezielte Kontrolle.
Manus in Aktion
Noch nie einen Autopilot-Agenten live im Einsatz gesehen? Dann schau dir doch mal meinen Replay von Manus an. Manus arbeitet eine Aufgabe komplett ab und erstellt dabei autonom mehrere Dokumente.
Der entscheidende Unterschied
Der Unterschied zwischen Copilot-Agent und Autopilot-Agent liegt im Grad der Autonomie während der Ausführung.
Die Frage ist: Bin ich während der Ausführung aktiv dabei, oder arbeitet der Agent autonom und ich greife an Checkpoints ein?
- Copilot-Agent: Ich bin im laufenden Dialog. Ich steuere jeden Schritt. Der Agent wartet auf meine nächste Anweisung.
- Autopilot-Agent: Ich übergebe eine Aufgabe. Der Agent arbeitet selbstständig. Ich komme an definierten Punkten zurück, prüfe, gebe Feedback.
Wichtig: Auch beim Autopilot-Agent gibt es immer Kontrollpunkte. Es gibt bei mir fast keine echten Autopiloten, die alles komplett autonom abarbeiten.

Der ehrliche Realitätscheck
Jetzt kommt der Teil, in dem ich ein bitzli Wasser in den Wein giesse. 😉
KI halluziniert nach wie vor (und das wird sich zeitnah auch nicht ändern). Bei autonomen Workflows sind Unternehmensdaten im Spiel. Vollautomatische Agenten-Workflows? Die sind heute oft einfach noch nicht zuverlässig genug.
Auch bei mir wird immer noch kontrolliert. Wenn ich in n8n oder make.com Workflows baue, die mit agentischen Systemen arbeiten, dann gibt es gewisse Dinge, die laufen vollautomatisch ab (z. B. Rechnungen gehen direkt vom Posteingang in Bexio). Aber bei anderen, zum Beispiel wenn E-Mails versendet werden sollen (z. B. meine Kursadministration via E-Mail), schaue ich IMMER noch einmal drüber.
Warum? Weil es nötig ist. Weil komplett fehlerfreies Funktionieren schlicht nicht möglich ist.
Meine Empfehlung:
- Nicht sofort mit Autopilot-Systemen starten
- Zuerst Verständnis aufbauen im Copilot-Modus
- Schrittweise vorgehen, nicht alles auf einmal
- Gezielt in spezifischen Prozessen starten
- Nicht «alle Schnittstellen freigeben und schauen, was passiert»
- Hilfe holen, Ressourcen bündeln, strukturiert vorgehen
Key Takeaways
- Die Unterscheidung zwischen Assistenten und Agenten löst sich auf
- Neues Framing: Grad der Autonomie statt Assistent vs. Agent
- Zwei praktische Typen: Copilot (geringe Autonomie, laufende Steuerung) und Autopilot (hohe Autonomie, Checkpoints)
- Auch beim Autopilot gibt es immer menschliche Kontrollpunkte
- Die Zukunft wird agentisch, aber der Weg dorthin braucht Struktur und Geduld
Mein Fazit
Die Zukunft ist agentisch. Da bin ich mir sicher.
Was sich für mich verändert hat: Ich denke nicht mehr in «Assistent oder Agent». Ich denke in Autonomiestufen. Wann will ich Schritt für Schritt steuern? Wann übergebe ich eine Aufgabe und lasse den Agenten arbeiten?
Copilot-Agent und Autopilot-Agent: Beide haben ihren Platz. Und die Grenzen werden weiter verschwimmen. Alle bekannten Tools werden besser, autonomer und zuverlässiger werden. Von ChatGPT bis Langdock.
Die Zukunft ist agentisch.
Bis nächsten Sonntag 👋🏽
Andreas

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