Dein virtuelles Produktteam: So entwickelst du Angebote mit KI
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    Dein virtuelles Produktteam: So entwickelst du Angebote mit KI

    Wie du mit einem Framework Produkte, Angebote und Ideen systematisch entwickelst

    7. Dezember 2025
    7 Min Lesezeit

    Hoi und herzlich willkomma zu den Büro für KI-Insights. 👋🏽

    Letzte Woche ging's um KI-Assistenten und wie du sie strategisch ins Unternehmen bringst. Heute wird's etwas kreativer.

    Falls du unseren Adventskalender verfolgst: In Türchen 5 haben wir den Perspektivenwechsel kennengelernt. Die Idee, dass du die KI bittest, sich in verschiedene Rollen zu versetzen und dir aus unterschiedlichen Blickwinkeln Feedback zu geben.

    Heute gehen wir einen Schritt weiter. Ich zeige dir ein komplettes Framework, mit dem du Produkte, Angebote oder Ideen systematisch entwickeln kannst. Quasi mit einem virtuellen Kreativteam an deiner Seite.

    Und das Beste: Ich nutze dieses Framework gerade selbst. Für ein neues Programm, an dem ich tüftle. 🤩 Noch ist vieles offen. Positionierung, Struktur, Details. Aber genau deshalb ist es das perfekte Beispiel.

    In diesem Newsletter zeig ich dir:

    • Zwei Prompt-Klassiker, die du kennen solltest (First Principles & Devil's Advocate)
    • Das 6-Phasen-Framework für kreative Produktentwicklung
    • Konkrete Prompts zum Mitnehmen
    • Wo die Grenzen liegen

    Let's dive in 🤓🤿


    Zwei Klassiker, die du kennen solltest

    Bevor wir ins Framework eintauchen, kurz zwei Techniken, die ich darin immer wieder nutze.

    First Principles: Zurück zu den Grundbausteinen

    Die Idee: Bevor ich ein konkretes Problem löse, zerlege ich es in seine absoluten Grundbausteine. Was ist wirklich wahr, ohne Annahmen? Und dann baue ich von dort neu auf.

    Statt direkt zu fragen: «Wie soll ich mein neues Angebot positionieren?»

    Frage ich zuerst: «Was macht ein Transformationsprogramm grundsätzlich erfolgreich? Was sind die Kernelemente, die wirklich zählen? Welche Annahmen habe ich, die ich hinterfragen sollte?»

    Warum das funktioniert: Ich zwinge die KI (und mich selbst 😅), nicht auf bestehenden Annahmen aufzubauen. Stattdessen starte ich bei Null und denke von Grund auf neu.

    Wann ich das nutze:

    • Wenn ich merke, dass ich in alten Denkmustern feststecke
    • Bei komplexen, strategischen Fragen
    • Am Anfang eines neuen Projekts, bzw. nachdem ich die ersten Ideen niedergeschrieben habe

    Devil's Advocate & Pre-Mortem: Der Stress-Test

    Zwei verwandte Techniken, mit denen ich meine Ideen auf Herz und Nieren prüfe.

    Devil's Advocate: Ich bitte die KI, aktiv Gegenargumente zu finden. Nicht um mich zu bestätigen, sondern um Schwachstellen aufzudecken.

    «Spiel den Devil's Advocate. Zerpflück mein Konzept komplett. Was sind die grössten Schwächen? Warum könnte das scheitern?»

    Pre-Mortem: Ich versetze mich in die Zukunft und stelle mir vor, dass mein Projekt bereits gescheitert ist.

    «Stell dir vor, wir sind ein Jahr weiter. Das Programm war ein Flop. Niemand hat sich angemeldet. Was ist passiert? Was haben wir übersehen?»

    Der Unterschied: Devil's Advocate sucht nach logischen Schwächen. Pre-Mortem deckt blinde Flecken auf, an die ich gar nicht gedacht habe.

    Wann ich das nutze:

    • Bevor ich eine wichtige Entscheidung treffe
    • Wenn ich zu verliebt in meine eigene Idee bin
    • Als letzter Check vor dem Launch

    Das Framework: 6 Phasen zum durchdachten Produkt

    Jetzt wird's konkret. Ich zeige dir, wie ich diese Techniken, kombiniert mit dem Perspektivenwechsel aus Türchen 5, zu einem kompletten Workflow verbinde.

    Das Beispiel: Ich arbeite an einem neuen Programm speziell für Führungskräfte, die ihre Organisation erfolgreich durch die KI-Transformation führen wollen. Noch ist vieles in der Schwebe. Perfekt, um dir zu zeigen, wie mein Prozess aussieht.

    Phase 1: First Principles – Das Fundament legen

    Bevor ich über Features, Preise oder Marketing nachdenke, starte ich mit den Grundbausteinen und lasse meinen Konzeptentwurf von der KI auseinandernehmen.

    Oft teste ich hier auch unterschiedliche Modelle. GPT, Claude, Gemini, sowie auch mit und ohne Reasoning (zusätzliche Denkschritte, die das Modell vor der finalen Antwort macht).

    Mein Prompt:

    Ich entwickle ein Premium-Transformationsprogramm für Führungskräfte in KMU.
    Bevor wir ins Detail gehen: Zerlege dieses Vorhaben in seine Grundbausteine.
    
    - Was sind die absoluten Kernelemente eines erfolgreichen Programms?
    - Welche Annahmen stecken typischerweise in solchen Angeboten, die ich hinterfragen sollte?
    - Was unterscheidet erfolgreiche von gescheiterten Programmen, wenn man es auf die Essenz reduziert?
    
    Hier ist mein aktuelles Konzept:
    [Konzept einfügen]
    

    Was ich bekomme: Ein Fundament aus Grundprinzipien.

    Screenshot First Principles Analyse Teil 1

    Screenshot First Principles Analyse Teil 2

    Phase 2: Internes Team-Brainstorming

    Jetzt hole ich mir mein «virtuelles Team». Verschiedene Perspektiven, die gemeinsam an der Idee arbeiten.

    Mein Prompt:

    Ich möchte ein internes Brainstorming simulieren. Versetze dich nacheinander
    in folgende Teammitglieder und gib mir aus jeder Perspektive Input zu meinem
    Programmkonzept:
    
    1. Sarah, Produkt-Strategin (15 Jahre Erfahrung mit B2B-Programmen)
       Fokus: Struktur, Didaktik, Lernerfahrung
    
    2. Marco, Marketing-Leiter (Ex-Agentur, jetzt Inhouse)
       Fokus: Positionierung, Messaging, Differenzierung
    
    3. Lisa, CFO (pragmatisch, zahlengetrieben)
       Fokus: Pricing, Unit Economics, Skalierbarkeit
    
    4. Thomas, ehemaliger Kunde (hat ähnliche Programme durchlaufen)
       Fokus: Praxistauglichkeit, Zeitaufwand, konkreter Nutzen
    
    Hier ist mein Konzept: [Konzept einfügen]
    

    Was ich bekomme: Vier unterschiedliche Blickwinkel auf dasselbe Konzept.

    Screenshot Team-Brainstorming mit verschiedenen Perspektiven

    Phase 3: Zielgruppen-Panel

    Jetzt wird's spannend: Ich hole mir Feedback von simulierten Kunden. Den Menschen, die das Programm später kaufen sollen.

    Mein Prompt:

    Du übernimmst die Rolle eines Marktforschungs-Panels. Analysiere mein
    Programmkonzept aus der Perspektive von drei realistischen Zielpersonen:
    
    Person 1: Martin, 52
    Geschäftsführer eines Maschinenbau-KMU mit 180 Mitarbeitenden.
    Pragmatisch, wenig technikaffin, aber weiss, dass KI wichtig wird.
    Skeptisch gegenüber «Hype». Hat wenig Zeit.
    
    Person 2: Sandra, 41
    HR-Leiterin in einem Dienstleistungsunternehmen. Sieht die Ängste
    der Mitarbeitenden, will die Transformation menschlich gestalten.
    Budget muss sie intern rechtfertigen.
    
    Person 3: Lukas, 38
    CTO eines Scale-ups. Technisch versiert, will schnell skalieren.
    Sucht strategische Sparring-Partner, nicht Grundlagen.
    
    Für jede Person: Erste Reaktion, grösste Bedenken, Was müsste
    das Programm bieten?, Kaufbereitschaft (1-10 mit Begründung)
    
    Hier ist mein Konzept: [Konzept einfügen]
    

    Was ich bekomme: Echtes (simuliertes) Kundenfeedback.

    Zielgruppen-Panel Analyse

    Phase 4: Erste Iteration

    Basierend auf dem Feedback aus Phase 1, 2 und 3 überarbeite ich mein Konzept und lasse es erneut prüfen.

    Mein Prompt:

    Basierend auf dem Feedback habe ich folgende Änderungen vorgenommen:
    [Änderungen auflisten]
    
    Hier ist die überarbeitete Version:
    [Neues Konzept]
    
    Geh nochmals durch die Perspektiven von Sarah, Marco, Lisa und Thomas:
    - Sind die Bedenken adressiert?
    - Was ist jetzt besser?
    - Was fehlt noch?
    

    Diesen Schritt wiederhole ich oft mehrfach. Jede Iteration schärft das Konzept.

    Phase 5: Der Stress-Test

    Jetzt kommt der unangenehme Teil. Aber der wichtigste.

    Devil's Advocate Prompt:

    Spiel den Devil's Advocate für mein Programmkonzept. Sei schonungslos kritisch.
    
    - Was sind die grössten Schwächen?
    - Welche Annahmen könnten falsch sein?
    - Warum könnte das am Markt scheitern?
    - Was würde ein Konkurrent sagen?
    - Welche Einwände werden potenzielle Kunden haben?
    
    Hier ist das Konzept:
    [Konzept einfügen]
    

    Pre-Mortem Prompt:

    Wir schreiben November 2026. Mein Programm ist vor 6 Monaten gestartet
    und es war ein Flop. Nur 4 Anmeldungen statt der geplanten 20.
    
    Versetze dich in diese Situation und analysiere rückblickend:
    - Was ist schiefgelaufen?
    - Welche Warnsignale haben wir ignoriert?
    - Was haben wir über unsere Zielgruppe nicht verstanden?
    - Welche externen Faktoren haben uns überrascht?
    
    Sei konkret und realistisch.
    

    Was ich bekomme: Eine Liste von Risiken und blinden Flecken, die ich vorher nicht gesehen habe. Vielleicht ist der Zeitpunkt falsch, die Zielgruppe zu eng, der Preis für den Schweizer Markt zu hoch, oder ich unterschätze den Vertriebsaufwand.

    Phase 6: Finale Schärfung

    Mit all diesen Inputs – vom Fundament über Team-Feedback, Kundenperspektiven bis zum Stress-Test – kann ich jetzt eine finale Version erstellen.

    Mein Prompt:

    Basierend auf allem, was wir erarbeitet haben:
    - Die Grundprinzipien aus Phase 1
    - Das Team-Feedback aus Phase 2
    - Die Kundenperspektiven aus Phase 3
    - Die Iterationen aus Phase 4
    - Die Risiken aus Phase 5
    
    Hilf mir, eine finale, geschärfte Version meines Konzepts zu erstellen.
    
    Fokus auf:
    - Klare Positionierung (1 Satz)
    - Die 3 wichtigsten Differenzierungsmerkmale
    - Adressierte Kundenbedenken
    - Mitigierte Risiken
    

    Die Grenzen: Wann das Framework nicht reicht

    So mächtig dieses Framework ist, es hat auch Grenzen:

    Simulierte Kunden sind keine echten Kunden. Die KI kann plausible Reaktionen generieren, aber sie hat keine echten Erfahrungen, Emotionen oder Kontexte. Das Framework ersetzt keine echte Marktforschung. Aber erfahrungsgemäss ist es (wenn ich den Kunden ausführlich beschreiben kann) sehr nah am echten Kunden.

    Echo-Kammer-Gefahr. Wenn mein Ausgangskonzept schon in eine bestimmte Richtung geht, wird die KI tendenziell in dieser Richtung weiterdenken. Ich achte deshalb darauf, auch komplett andere Ansätze zu erfragen.

    Kulturelle Nuancen fehlen. Die KI kennt «den Schweizer Markt» nur oberflächlich. Feinheiten wie regionale Unterschiede, Branchenkulturen oder ungeschriebene Regeln muss ich selbst einbringen. Context ist King.

    Der letzte Check bin ich. Am Ende muss ICH entscheiden. Die KI liefert Perspektiven, Argumente, Gegenargumente. Aber die Verantwortung bleibt natürlich immer bei mir.


    Key Takeaways

    • First Principles mit dem Konzeptentwurf: Bevor ich loslege, zerlege ich das Problem in seine Grundbausteine. Das verhindert, dass ich auf falschen Annahmen aufbaue.
    • Mehrere Perspektiven, eine Meinung: Ich simuliere ein diverses Team. Unterschiedliche Blickwinkel decken blinde Flecken auf.
    • Kunden früh einbeziehen (auch simuliert): Je früher ich Kundenperspektiven einhole, desto weniger böse Überraschungen später.
    • Stress-Test ist Pflicht: Devil's Advocate und Pre-Mortem sind unbequem, aber Gold wert. Ich mach sie, bevor der Markt es tut.
    • Iteration ist der Schlüssel: Ein Durchgang reicht selten. Ich plane mehrere Runden ein.
    • KI ersetzt nicht, sie ergänzt: Das Framework bereitet echte Gespräche vor. Es ersetzt sie aber nicht.

    Fazit

    Was ich dir heute gezeigt habe, ist mehr als eine Sammlung von Prompts. Es ist ein (neuer) Denkprozess. Eine strukturierte Art, Ideen zu entwickeln, zu testen und zu schärfen.

    Ich nutze dieses Framework gerade selbst für mein neues Projekt. Und es ist schon jetzt um Welten besser, als wenn ich einfach drauflos geplant hätte.

    Probier es aus. Nimm ein Projekt, eine Idee, ein Angebot und führe es durch die 6 Phasen. Du wirst überrascht sein, was dabei herauskommt.

    Bis nächsten Sonntag 👋🏽

    Andreas

    Andreas Käser
    Andreas Käser

    Andreas Käser

    Gründer & Inhaber von Büro für KI. Ich helfe KMU, KI strategisch und praxisnah einzusetzen. Mit Beratung, Workshops und massgeschneiderten Lösungen.

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