Wie du deinen KI-Muskel trainierst
    Praxis

    Wie du deinen KI-Muskel trainierst

    Warum Regelmässigkeit wichtiger ist als Perfektion

    4. Januar 2026
    11 Min Lesezeit

    Hoi und herzlich willkomma zu den Büro für KI Insights. 🤓

    Zuerst einmal wünsche ich dir ein wunderbares, erfolgreiches und vor allem gesundes 2026. Ich hoffe, du bist gut rübergekommen und freust dich auf die erste Ausgabe der KI-Insights im 2026.

    Vorgestern war ich das erste Mal seit zwei Jahren wieder im Gym. Velo, Geräte, das volle Programm. Heute: Noch immer Muskelkater. 😅

    Während ich auf dem Rad sass, kam mir ein Gedanke: KI-Kompetenz aufbauen funktioniert genau wie Fitness. Wer einmal trainiert, lernt die Übungen. Wer täglich übt, baut Muskeln auf.

    In diesem Newsletter erfährst du:

    • Warum KI wie ein Muskel funktioniert
    • 6 Mini-Übungen für deinen Alltag (mit Beispiel-Prompts)
    • Die Anker-Strategie für echte Gewohnheiten
    • Was die Gratis-Version von ChatGPT alles kann (und warum du trotzdem besser Paid gehst 😉)

    Let's dive in 🤓🤿


    Das Gym-Phänomen

    Jedes Jahr im Januar sind die Gyms voll. Gute Vorsätze, neue Motivation, diesmal wird alles anders. Im März? Wieder leer, die Geräte stehen einsam rum und die Kurse sind halb voll. 😅

    Ich kenne das von mir selbst. Und bei KI sehe ich genau das Gleiche: Viele haben ChatGPT mal ausprobiert, einen Workshop besucht, ein paar Prompts getestet. Und dann? Passiert nicht mehr viel.

    Und was ich in meiner Beratungs- und Schulungstätigkeit immer wieder sehe: Der Unterschied zwischen «Ich kenne KI» und «Ich beherrsche KI» ist nicht Talent, nicht das beste Tool und auch nicht der teuerste Kurs. Es ist tägliche Praxis.


    Warum Regelmässigkeit alles schlägt

    Das kennt man doch auch vom Sport: Wer einmal im Monat drei Stunden trainiert, baut keine Muskeln auf. Wer hingegen jeden Tag 15 Minuten trainiert, schon.

    Auch ich habe nicht mit perfekten Prompts angefangen. Als ich 2022 mit ChatGPT begann, startete ich auch mit kurzen Sessions. Das wurde dann mehr und mehr zur Routine, irgendwann zur Selbstverständlichkeit. Und ziemlich bald investierte ich auch mehr Zeit, weil mich das Thema einfach dermassen packte. Heute nutze ich KI (logischerweise 😅) von morgens bis abends.

    Aber auch heute ist für mich das Wichtigste: Regelmässigkeit.

    Wer einmal im Monat ChatGPT öffnet, bleibt unsicher. Wer jeden Tag übt, wird souverän.

    Der Grund ist simpel: Kompetenz entsteht durch Wiederholung, nicht durch einmalige Intensität.


    Die Rechnung

    15 Minuten am Tag klingen vielleicht nach wenig. Aber rechne mal hoch:

    15 Min × 5 Tage (Weekends habe ich mal weggelassen 😉) × 48 Wochen (paar Wochen Pause schaden auch nicht) = 60 Stunden pro Jahr

    Das sind ca. 7,5 volle Arbeitstage KI-Training. Ohne Kurs. Ohne Workshop. Einfach durch tägliche Praxis.


    Das Microlearning-Prinzip

    Kleine, tägliche Übungen schlagen grosse, seltene Sessions. Sie bleiben besser hängen, motivieren mehr und bringen schneller Ergebnisse. Das Gehirn braucht Wiederholung, nicht Intensität. Das bestätigt übrigens auch die Forschung.

    Für Unternehmen heisst das: Ein Workshop gibt den Kickstart und die Grundlagen. Aber die echte Kompetenz entsteht danach, durch tägliche Praxis. Beides gehört zusammen.

    Jedes Mal, wenn du KI nutzt, lernst du ein bisschen dazu: Welche Prompts funktionieren, wo die Grenzen sind, wie du bessere Ergebnisse bekommst und wann du der KI mehr, und wann weniger vertrauen kannst. Diese Erfahrung sammelt sich, aber nur, wenn du regelmässig dranbleibst.


    Wichtig zum Datenschutz

    Bevor wir zu den Übungen kommen: Achte wie immer darauf, keine sensiblen oder vertraulichen Daten in KI-Tools einzugeben, wenn du nicht sicher bist, ob alles safe ist. 😉 Bei KI-Tools wie ChatGPT und Co. solltest du in den Einstellungen immer das Training deaktivieren (bei ChatGPT: Einstellungen → Datenkontrollen → «Das Modell für alle verbessern» ausschalten).

    Wenn du mit Unternehmensdaten arbeitest, halte dich an die Leitlinien deines Unternehmens. Und wenn es keine Leitlinien gibt? Setzt unbedingt welche auf. 🙏🏽 Es braucht zwingend klar kommunizierte Regeln für den Umgang mit KI.

    Ich werde diesem Thema sicher bald auch mal noch eine separate KI-Insights-Ausgabe widmen.


    Übung 1: Die KI-Suche (5 Min)

    Statt normales Googeln, frag die KI.

    Das ist nach wie vor eine meiner meistgenutzten Anwendungen. Für Research, Erklärungen, Zusammenhänge und Einordnungen ist ein KI-Chat einfach schneller und besser als die klassische Google-Suche mit zehn blauen Links.

    So geht's:

    1. Öffne ChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity (oder den Chatbot deiner Wahl)
    2. Denk an eine Frage, die du heute hattest (z.B. «Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Marge und Gewinn?»)
    3. Tippe sie ein, so wie du sie einem Kollegen stellen würdest (💡Tipp: Ich nutze heute oft die Diktierfunktion und spreche meine Frage auf Schweizerdeutsch rein; klappt oft sehr zuverlässig und ich bin viel schneller).
    4. Lies die Antwort und stell eine Nachfrage, wenn etwas unklar ist
    5. Kontrolliere die Antwort und Quellen, wo nötig (KI macht Fehler, auch heute noch, 100% Korrektheit gibt es auch mit Websuche nicht)

    Beispiel:

    «Erkläre mir den Unterschied zwischen Marge und Gewinn so, dass ich es einem Mitarbeiter in 2 Sätzen erklären kann.»


    Übung 2: Der Dokument-Check (10 Min)

    Lade ein Dokument hoch und lass es zusammenfassen.

    Ein PDF, ein Word-Dokument, ein Protokoll, oder etwas anderes. Die KI liest es für dich und gibt dir die Essenz daraus.

    So geht's:

    1. Such dir ein Dokument, das du sowieso lesen müsstest (ein Bericht, ein Protokoll, ein Artikel)
    2. Öffne z. B. ChatGPT und klicke auf das + Symbol und lade das Dokument hoch (oder einfach per Drag & Drop reinziehen)
    3. Schreibe z. B.: «Fasse mir dieses Dokument als Executive Summary zusammen.»
    4. Lies die Zusammenfassung und kontrolliere das Original falls nötig

    Beispiel:

    «Ich habe keine Zeit, dieses 20-seitige PDF zu lesen. Fasse mir die 5 wichtigsten Punkte zusammen und sag mir, ob es etwas gibt, das ich unbedingt im Detail lesen sollte.»

    Zusatzaufgabe für alle, die gern Podcasts hören: Gehe zu Google NotebookLM, melde dich mit deinem Google-Account an, lade dein PDF als Quelle hoch, lass dir eine Audiozusammenfassung generieren (Podcast).


    Übung 3: Der Gedanken-Sortierer (10 Min)

    Du hast viele Gedanken im Kopf? Lass sie sortieren.

    Das nutze ich mega oft. Vor einem Meeting, einer Präsentation, beim Erstellen von LinkedIn-Posts oder wenn ich einfach nicht weiss, wo ich anfangen soll.

    So geht's:

    1. Öffne deinen Lieblings-KI-Chatbot (wer mal einen aus Europa testen will: Le Chat von Mistral aus Frankreich)
    2. Schreibe alles auf, was dir zu einem Thema durch den Kopf geht (Stichworte reichen; Tipp: Nutze auch hier die Diktierfunktion)
    3. Bitte die KI, deine Gedanken zu strukturieren
    4. Schau dir die Struktur an und passe sie an

    Beispiel:

    «Ich bereite ein Gespräch mit meinem Chef vor. Mir gehen folgende Dinge durch den Kopf: Gehaltserhöhung, mehr Verantwortung, flexible Arbeitszeiten, Weiterbildung, Unsicherheit, ob richtiger Zeitpunkt. Hilf mir, diese Gedanken zu sortieren und eine klare Struktur für das Gespräch zu entwickeln.»


    Übung 4: Der Perspektivenwechsel (10 Min)

    Schau dir dein Thema aus einer anderen Perspektive an.

    Bevor du eine Idee präsentierst, check die Gegenargumente. Das bereitet dich auf schwierige Fragen vor.

    So geht's:

    1. Öffne z. B. Claude (KI-Chatbot von Anthropic; die Nummer 2 hinter ChatGPT; für mich in vielen Bereichen die Nr. 1) und erstelle dir einen Gratis-Account
    2. Beschreibe deine Idee oder deinen Vorschlag in 2 bis 3 Sätzen (ich sag's einfach nochmals: Diktiermoooodus 😉)
    3. Frag nach möglichen Einwänden aus einer bestimmten Perspektive
    4. Überleg dir, wie du auf diese Einwände reagieren würdest

    Beispiel:

    «Ich möchte meinem Team vorschlagen, dass wir ab sofort alle Meeting-Protokolle mit KI erstellen lassen. Versetze dich in die Rolle meines skeptischen Kollegen, der Datenschutzbedenken hat. Welche Einwände würde er bringen?»


    Übung 5: Der Versteher (5 Min)

    Lass dir etwas erklären, das du nicht verstehst.

    Ganz ehrlich: Ich frage die KI Dinge, die ich mich bei Menschen manchmal gar nicht trauen würde zu fragen. 😅 Keine Scham. Keine dummen Fragen. Die KI urteilt nicht.

    So geht's:

    1. Denk an einen Begriff oder ein Konzept, das du nie richtig verstanden hast
    2. Öffne z. B. Gemini (du merkst, ich möchte, dass du unterschiedliche Tools kennenlernst 😂) und logge dich mit deinem Google-Account ein
    3. Frag so, wie du einen geduldigen Freund fragen würdest
    4. Bitte um ein Beispiel aus dem Alltag, wenn es noch nicht klick macht (oder lasse es dir für einen 10-Jährigen erklären)

    Beispiel:

    «Ich höre ständig von «Agile» und «Scrum», aber ich habe nie wirklich verstanden, was das genau ist. Erkläre es mir so einfach wie möglich und gib mir ein Beispiel, wie das in einem normalen Büro aussehen würde.»


    Übung 6: Der Entdecker (15 Min)

    Probier einfach mal was Neues aus. 😉

    Nicht jede Übung muss eine konkrete Aufgabe sein. Manchmal ist das Beste, was du tun kannst, ein neues Tool auszuprobieren, eine Funktion zu testen, die du noch nie genutzt hast, oder einfach zu spielen.

    Ich predige oft, dass man nicht zu viele Tools nutzen soll. Und das meine ich auch so. Aber unterschiedliche Tools auszuprobieren, hilft einfach dabei, das beste Tool für die eigenen Bedürfnisse zu finden. Und man lernt ganz grundsätzlich sehr viel dabei.

    So geht's (ich habe dir ein paar Optionen zur Auswahl):

    Option A: Neues Tool testen (hatte ich dir schon in den Übungen oben probiert aufzudrücken 😉)

    1. Gehe auf perplexity.ai
    2. Erstelle einen Gratis-Account (geht auch ganz ohne Account, Konversationen werden dann halt nicht gespeichert)
    3. Stelle mal eine Frage, die du gestern ChatGPT gestellt hast
    4. Vergleiche die Antworten
    5. Was fällt dir auf? Wie gefällt dir die Art und Weise der Darstellung? Stimmen die Antworten?

    Option B: Diktiermodus ausprobieren

    1. Öffne die ChatGPT-App auf deinem Handy
    2. Tippe auf das Mikrofonsymbol rechts neben dem Texteingabefeld
    3. Stelle eine Frage, als würdest du mit einem Kollegen sprechen (geht gut auf Schweizerdeutsch, probiers mal aus)
    4. Das Gesprochene wird transkribiert und du kannst es normal absenden und auf die Antwort warten

    Option C: Bild analysieren lassen

    1. Mach ein Foto von etwas auf deinem Schreibtisch (Datenschutz 😉) oder deinem Kühlschrank oder etwas anderem (Notizen etc.)
    2. Lade es z. B. in ChatGPT hoch
    3. Frag: «Was siehst du auf diesem Bild? Beschreibe es mir.» oder «Schreibe mir das handschriftliche Protokoll ins Reine»

    Am Anfang geht es nicht darum, alles perfekt zu machen. Es geht darum, auszuprobieren und zu sehen, was überhaupt alles möglich ist. Danach kommt ganz ganz vieles von allein. Glaube mir. 😉


    Die Anker-Strategie

    Die grösste Hürde ist nicht das Wissen. Es ist die Gewohnheit. Das merke ich (zwar nicht bei KI; aber in anderen Bereichen 😅) z. B. beim Sport auch bei mir selbst.

    Der Trick: Kopple KI an etwas, das du sowieso schon machst. Nicht «Ich nutze irgendwann mal KI», sondern:

    • «Immer wenn ich etwas nicht weiss, frage ich zuerst die KI»
    • «Immer wenn ich ein Dokument erhalte, lasse ich es zusammenfassen»
    • «Immer vor einem wichtigen Meeting sortiere ich meine Gedanken mit KI»
    • «Immer wenn ich eine schwierige E-Mail schreiben muss, hole ich mir einen Entwurf»

    Such dir einen Anker, nur einen, und zieh ihn eine Woche durch. Dann den nächsten.


    Gratis starten, aber nicht gratis bleiben

    Für die ersten Schritte reicht die Gratis-Version von z. B. ChatGPT oder einem anderen Tool völlig aus. Du kannst bei ChatGPT Dokumente hochladen (3 pro Tag), Deep Research nutzen (5 pro Monat), im Web suchen, Bilder analysieren und Code schreiben lassen. Genug, um ein Gefühl zu bekommen.

    Aber ich bin ehrlich: Wer KI wirklich in den Alltag integrieren will, stösst schnell an Grenzen. Drei Dokumente am Tag hochladen? Das reicht nicht, um ein echtes Gefühl dafür zu entwickeln, was möglich ist.

    Meine Empfehlung: Starte ruhig mit der Gratis-Version, um reinzukommen. Aber wenn du merkst, dass du dranbleiben willst, investiere in ein Abo. Die 20 Franken im Monat sind sehr gut investiert, denn erst mit der Bezahlversion kannst du wirklich üben, experimentieren und lernen.

    Ich selbst erledige mit meinem 30$/Monat ChatGPT-Abo (Businesslizenz) oder einem gleichwertigen Tool, Arbeit im Umfang von 1–2 Tagen pro Woche.


    Der ehrliche Realitätscheck

    Der grosse Vorteil bei KI: Die Erfolgserlebnisse kommen schneller als beim Gym. 😅 Nicht erst nach Wochen, sondern sofort. Jede Suche, die schneller geht, jedes Dokument, das du nicht komplett lesen musst, jeder Gedanke, der klarer wird.

    Das macht es eigentlich leichter als beim Gym. Und trotzdem: Die grösste Hürde ist nicht das Wissen oder das Tool. Es ist der Schritt von «einmal ausprobieren» zu «zur Gewohnheit machen».

    Aber wenn du diesen Schritt schaffst, merkst du den Unterschied sofort. Und das motiviert.


    Dein KI-Skills-Coach

    Und damit dir das Anfangen (und Dranbleiben) noch etwas leichter fällt, habe ich dir einen kleinen Assistenten gebaut, der dir hilft, jeden Tag etwas KI in deinen Alltag einzubauen.

    Du nennst Beruf, Branche und Nutzungshäufigkeit und erhältst individuelle Übungsaufgaben zum direkt selbst ausprobieren.

    👉 Zum KI-Skills-Coach


    Key Takeaways

    • KI-Kompetenz funktioniert wie Fitness: Regelmässigkeit schlägt Intensität
    • 15 Minuten täglich reichen: Kleine Übungen, grosser Effekt über Zeit
    • Anker setzen: KI an bestehende Routinen koppeln
    • Gratis reicht für den Start: ChatGPT Free kann mehr als die meisten denken (aber wenn du richtig loslegen willst, kommst du nicht darum herum, zu bezahlen)
    • Der Unterschied: Nur wer täglich übt, wird souverän. Wer gelegentlich ausprobiert, bleibt unsicher.

    Fazit

    2026 wird nicht das Jahr, in dem du KI «irgendwann mal richtig lernst». Es wird hoffentlich das Jahr, in dem du jeden Tag ein bisschen besser wirst.

    Und der Unterschied liegt nicht im Tool, nicht im Kurs und nicht im Budget. Er liegt in 15 Minuten täglich. Und die findet doch jede:r bei sich. 😉

    Du musst auch nicht alles auf einmal können. Du musst nicht jeden Tag alle sechs Übungen machen. Du musst nicht perfekt sein. Aber du musst anfangen. Und dranbleiben. Und mit kleinen Schritten vorwärtsgehen.

    Die meisten Menschen überschätzen, was sie an einem Tag schaffen können. Und unterschätzen massiv, was sie in einem Jahr erreichen können. 15 Minuten täglich klingen nach nichts.

    Aber in einem Jahr sind das 60 Stunden Praxis. 💪🏽

    Ich wünsche dir viel Spass beim Schritt-für-Schritt besser werden und morgen einen guten Start in die erste Arbeitswoche im neuen Jahr oder, wenn du noch hast, weiterhin schöne Ferien.

    Bis nächsten Sonntag 👋🏽

    Andreas

    Andreas Käser
    Andreas Käser

    Andreas Käser

    Gründer & Inhaber von Büro für KI. Ich helfe KMU, KI strategisch und praxisnah einzusetzen. Mit Beratung, Workshops und massgeschneiderten Lösungen.

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